Der Superstar-Blick
Wie viele Superstars kennst Du persönlich?
Keinen?
Ich kenne 15 Stück höchstpersönlich und privat, weitere 20 – 30 persönlich und einigermaßen privat und einige weitere in meinem weiteren Umfeld.
Außerdem bin ich auch ein Superstar.
Wie ich das mache?
Ich bin Mutter.
Und ich kenne viele andere Mütter und Väter.
Für meine beiden Söhne bin ich der Superstar ihres Lebens. Manchmal treten Papa, Oma, Opa, Spiderman, Wickie oder Tante Tinen an meine Stelle, aber im Großen und Ganzen bin ich 24/7 ein Superstar.
Ist das nicht fantastisch?
Für alle Eltern: Lasst das mal rein. Ihr könnt machen was ihr wollt, ihr könnt die letzten Klamotten tragen, Haare an den Beinen und auf der Oberlippe haben, ihr könnt zugeben, dass ihr was nicht wisst und jeden Tag Nudeln kochen; Ihr seid und bleibt Superstars.
Für alle die keine eigenen Kinder haben: Ihr könnt sofort zum Superstar werden. Sucht Euch ein Kind in Eurem Umfeld aus und werdet Fan davon. Das Kind wird es sofort merken und Euch in den Rang eines Superstars erheben.
Warum machen wir das eigentlich nicht mit unseren Partnern? Warum sind unsere Partner für uns nicht genauso selbstverständlich Superstars wie wir für unsere Kinder?
Ein neues Jahr hat begonnen. Dies könnte ein Anlass sein, einen neuen Blick auf unsere Lieben zu risikieren – den Superstar-Blick. Viel Spaß damit
Eure
Uta
In: Allgemein, Eltern, Possibility Management · Schlagworte: Beziehung, Eltern, Emotionen, Frau, Kinder, Kultur, Liebe, Mann, neue Wege, neuer Blick, Partner, Superstar
Was haben 5 Hühner, ein Ferkel, eine Yak-Kuh und 2 Ziegen gemeinsam?
Sie eignen sich allesamt als Weihnachtsgeschenke. Vielleicht nicht gerade für die eigenen Eltern oder die Arbeitskollegin mit der 2-Zimmerwohnung, wohl aber für Kinder, deren Lebensumstände durch diese Tiere deutlich verbessert werden können.
Mehr darüber erfahren? Siehe unten oder direkt unter: Wunschzettel
Oder lieber lokal Gutes tun? Der SZ-Adventskalender hilft Menschen in München und Umgebung, die in Not geraten sind.
Unterstützen? Siehe unten oder direkt unter: Adventskalender
Lokale Alternative: Hier gibt es einen Artikel über den Verbund der Waisenhäuser in München inkl. Bankverbindung.
Yak und Co unterm Weihnachtsbaum
Das verschenken der Tiere, oder vieler anderer nützlicher Dinge, wie Saatgut, Moskitonetze oder Schulbücher ist denkbar einfach und klappt zuverlässig noch vor dem 24. Dezember 2011.
Klickt auf: Wunschzettel
dann landet Ihr auf dem Wunschzettel von Save the Children. Sucht Euch Euer Lieblingsgeschenk aus, spendet den entsprechenden Betrag und SCHWUPPDIWUPP schon habt Ihr einen individuellen Unter-dem-Oh-Tannenbaum-Beitrag in Form einer hübschen Karte inkl. Beleg.
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Save the Children unterstützt Projekte für Kinder in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Lebensgrundlage, Katastrophenhilfe oder Spielen.
Wer ist Save the Children?
Save the Children ist die größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt. Wir wurden 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, von der Lehrerin Eglantyne Jebb in Großbritannien gegründet. Kinder in Deutschland waren die ersten, denen Save the Children half. Heute arbeitet Save the Children in mehr als 120 Ländern.
Mehr zur Arbeit erfahren Sie hier.
Der SZ-Adventskalender
Besonders allein erziehende Mütter und Väter geraten oft in die Armutsfalle.
Der Adventskalender unterstützt diese Menschen schnell und unbürokratisch, wenn das Geld für Kleidung, Lebensmittel, Einrichtungsgegenstände, Waschmaschinen oder andere wichtige Anschaffungen fehlt.
Hier drei Beispiele aus den vielen Dankbriefen, an die SZ:
„In den letzten zwei Jahren haben Sie mir und meinen Kindern sehr geholfen. Inzwischen habe ich mein Studium abgeschlossen, und seit April habe ich eine Stelle, die mich und meine Familie erstmals unabhängig sein lässt. Ich möchte mich für die uns in Notzeiten gegebene Unterstützung noch einmal herzlich bedanken und mich mit einer Spende (es soll nicht die letzte sein) revangieren.“ (eine allein erziehende Mutter mit 2 Kindern)
„Vielen lieben Dank für das Lebensmittel-Geschenkpaket. Unsere Freude war atemberaubend. Meine Tochter hüpfte und jubelte, kreischte durch die Wohnung und packte wie besessen aus und staunte über die Vielfalt der Lebensmittel. Dankeschön!“ (allein erziehende Mutter).
„Tausend Dank, ich und mein Sohn können uns nun endlich einen Kühlschrank kaufen, für meinen Sohn einen Baseball und 1 Hose, 1 Jacke und Lebensmittel.“ (allein erziehende Mutter).
In: Allgemein · Schlagworte: Adventskalender, alternativen, Save the Children, Spenden, Süddeutsche, Weihnachten, Weihnachtsgeschenke, Weltverbesserer
to go? NO GO!
Vor zwei Wochen auf dem Info-Screen der S-Bahn:
Zahl des Tages:
Pro Jahr verbrauchen wir 3 Milliarden (=300.000.000.000!) to-go-Becher auf der Erde.
Einmal kurz überschlagen: Wie viele Menschen leben auf der Erde? Und Wie viele davon haben Einweg-Becher zur Verfügung? Alleine diese Überlegung lässt uns westliche Wohlständler schon in einem relativ schlechten Licht erscheinen.
Oder ein Bild:
Würden all’ die verbrauchten Becher, mit einem angenommenen Füllvolumen von 0,33l, über die Niagara-Fälle rauschen, so müssten wir den Fällen 6 Stunden zusehen, um all die verbrauchten Becher eines Jahres zu sehen.
Sechs Stunden lang! 1
Ein anderes Bild für alle Münchner:
Der Isar müssten wir 30 (DREISSIG!) Nachmittage lang zusehen beim Fließen. Und an JEDEM Nachmittag wäre kein Wasser im Fluss sondern Becher.
Weggeworfene to-go-Becher.
Leute, Hintern hoch und Mehrwegbecher gekauft! Manche Kaffehäuser geben sogar Rabatt auf mitgebrachte Becher! 2
1 Wobei zugrunde gelegt ist, dass die Niagarafälle von durchschnittlich 4.200 m³/s (ungefähr das Doppelte des Rhein-Abflusses) Quelle:Wikipedia durchströmt werden.
Für die Isar-Rechnung wurde von einer mittleren Abflussmenge von 174 m³/s ausgegangen, und dass ein Nachmittag sechs Stunden dauert.
2 Oder bei Kustermann in München gibt es wieder verwertbare to-go-Becher aus Alu, Plastik und sogar Keramik oder Porzellan.
Vielleicht ein Ansatz?
In: Allgemein · Schlagworte: Isar, Müll, Niagara, to go, Verbrauch
Wunder des Alltags
“Wunder des Alltags” – Experiment :
Nimm eine feuchte frisch gewaschene Bluse in die Hand. Oder stelle Dir das alles einfach vor. Sie ist auf links und ist ganz oben zugeknöpft. Beobachte, was Deine geschickten Hände damit anstellen, wenn Du sie zum Trocknen aufhängen möchtest…
Du hast für diese Aktivität eine innere Gebrauchsanweisung, der Du einfach folgst. Sie sieht vermutlich ungefähr so aus:
a) Bluse beidhändig drehen, fühlen, umgreifen, bis die Ansatzpunkte für ein effektives Auf-Rechts-Wenden gefunden sind.
b) Hand 1 greift durch den widerborstigen Ärmel an die Manschette
Hand 2 zieht das feuchte Wäschestück über den besagten Ärmel
c) Wenden und fühlen, bis der Eingang in den anderen Ärmel gefunden ist. Wiederholung des Umstülpens von b) gegen den Widerstand des klammen Stoffes.
d) Energisches Ausschütteln (kräftige, gleichzeitige Bewegung beider Arme
von unten nach oben und wieder nach unten) treibt dem Stoff ein paar Falten aus.
Und jetzt die Kür:
e) feinfühlige Fingerspitzen fummeln den oberen Knopf auf und fädeln das gute Stück über einen Kleiderbügel ODER
geschickte Finger hängen das Wäschestück auf Leine bzw. Wäscheständer.
Alles ist eine Meisterleistung an Koordination! Je nach Alter und Erfahrung benutzt du Tricks, um später möglichst wenig bügeln zu müssen. (Thema für einen weiteren Blog: Warum bügeln wir eigentlich überhaupt unsere Wäsche? Danke an meinen Sohn für die inspirierende Frage).
Bist Du beeindruckt von Dir selbst?
Erlaubst Du Dir zu staunen ob der Fingerfertigkeit, die Du besitzt?
Diese unglaublich gut abgestimmte Dosierung von Sensorik und rechter Kraft zu bewundern? Fantastisch, oder?
Und das Tolle daran: Wir (Menschen) machen so etwas einfach. Ohne Schule, ohne spezielle Ausbildung, vielleicht mit ein bisschen Übung.
Was mich direkt zum nächsten Thema bringt:
Gefühle haben wir übrigens genau so einfach drauf wie diese wunderbare Fingerfertigkeit. Nur ist uns das viel weniger bewusst.
Ähnlich diesem komplizierten Akt mit der Wäsche ist uns zum Beispiel möglich:
Einfach so mal ein bisschen Traurigkeit fühlen darüber, dass die Milch für unser Müsli alle ist.
Etwa 5% unserer Angst davor aktivieren, dass das morgen immer noch so sein wird. Daraufhin die kreative, planerische Komponente der Angst nehmen, einen Einkaufszettel schreiben, nach Büroschluss tatsächlich daran denken und in den Laden gehen.
Während unseres Tages je nach Bedarf mal 8, mal 18% Wut aktivieren, um ein klares Nein zu sprechen, eine nervenaufreibende Situation mit Klarheit zu lösen oder endlich eine Aufgabe zu erledigen, die uns schon lange hinterher schleicht.
Mit unserer reinen Freude – die uns ebenso verfügbar ist wie Wut, Angst und Traurigkeit – dann noch das Verhältnis zu unseren Lieben und zum Wäschestapel verbessern, welche alle schon zu Hause auf uns warten.
Nochmals beeindruckt? Wieder ungläubiges Staunen?
WUNDERBAR!
Ja, es ist zum Staunen und zum Genießen, welche riesige Kompetenz in Sachen Gefühle uns in die Wiege gelegt ist.
Wer mir nicht ganz glauben mag, dass unsere Gefühle das tatsächlich alles möglich (engl.: possible) machen, der darf sich davon gerne in einem Possibility Team ein Bild davon machen.
Es gibt viele Teams in und um München, im Schwäbischen, in Mitteldeutschland oder Hamburg. Es gibt sie in Österreich, der Schweiz und sogar in China!
Ihr findet eine Übersicht hier: Übersicht Possibility Teams
Oder, falls Ihr aus München kommt:
Mein Team findet ab 22. September 2011 vierzehntätgig im Literaturkeller im Stemmerhof statt: Anfahrt Possibility Team München
Mehr Infos auch auf meiner Website.
Viel Freude beim aufmerksamen Beobachten!
Stefanie
In: Allgemein, Possibility Management · Schlagworte: Alltag, filigran, Fingerfertigkeit, Management, Möglichkeiten, neue Wege, nichtlinear Handeln, Nichtliniearität Team, WUnder, Wunder Possibility
Wahnsinn – oder?
Wahnsinn Nr. 1:
„Die Nation hat einen mächtigen Feind. Wir bekämpfen Mutter Natur. Die Gesundheit unserer Wirtschaft hängt von unserem Sieg ab.“
Wer findet, dass das eine Wahnsinns-Ausage ist:
Dieses Zitat stand am 16. Juli 2011 in der Süddeutschen Zeitung
Zitiert wird das „Army Corps of Engineers“ (siehe Wikipedia und die Seite des Corps).
Dieses Corps wurde mit folgender Mission gegründet:
“Provide vital public engineering services in peace and war to strengthen our Nation’s security, energize the economy, and reduce risks from disasters.”
Also was ich nicht so ganz kapiere: Wenn ich es als meinen Auftrag ansehe, „lebensnotwendige … Dienste für die Öffentlichkeit … anzubieten und das Risiko von Naturkatastrophen zu reduzieren“, wieso kämpfe ich dann GEGEN die Natur?
Wahnsinn Nr. 2:
Die Japanische Regierung hat weitere Landstriche in der Gegend um Fukushima zur Evakuierung empfohlen, da die Strahlenbelastung zu hoch für die Bevölkerung ist (heißt: > 20 Millisievert / Jahr) .
Das ist keine Meldung von Mitte März, sondern vom 22. Juli 2011 (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 22.7.2011, Politik)
Und: Die Regierung hat noch immer keine Ahnung was sie mit dem hochradioaktiv verstrahlten Wasser aus der Ruine und dem Schmelztiegel machen wird.
Ist das nicht ein Wahnsinn?
Wahnsinn Nr. 3:
Packstation, Paketmarke, Internetfrankierung – das gibt mir die Freiheit, meine Post aufzugeben wann immer ich möchte.
Onlinebanking, I-TAN, Kreditkarte – das gibt mir die Freiheit, Bankgeschäfte zu tätigen, wann und wo ich möchte.
Tchibo, Otto Versand und Zalando – sie geben mir die Freiheit, mich einzukleiden ohne mich umzukleiden.
Doch dass ich jederzeit Pakte verschicken kann, Bankgeschäfte tätigen kann und Klamotten kaufen kann (um nur ein paar Beispiele zu nennen) das macht mich nicht nur frei, sondern auch einsam. Keine Beamten die mich beraten oder anschnauzen, keine Berater die mir helfen oder was verkaufen wollen, keine Verkäuferinnen die genau wissen welche Hose an meinen Hintern passt und welchen Pulli ich un-be-dingt dazu kaufen muss.
Dazu kommt, dass ich die wunderbare Struktur der Geschäftsöffnungszeiten nicht mehr habe. Samstag und Sonntag hatte ich Zeit für die Dinge, die ich gerne tat. Denn Post und Bank und Boutique blieben zu bzw. schlossen um 14:00 Uhr. Heute bleibt für diese Tage der Rest, den ich unter der Woche nicht geschafft habe.
Wahnsinn, was unserer Gesellschaft inzwischen das Gefühl von Freiheit verschafft.
Herzliche Grüße
Stefanie
In: Allgemein · Schlagworte: Emotionen, Freiheit, Japan, Next Culture, Onlinebanking, Paketmarke, Post
Schnell, schnell!
“Nichts ist beständiger als der Wandel.“
Und es fühlt sich verdammt so an, als ob zum Wandel in letzter Zeit auch die Komponente „schnell“ dazu gekommen wäre.
Die Fähigkeit sich an Wandel anzupassen, aus Chaos Chancen zu generieren und diese auch zu nutzen war schon immer ein Überlebensvorteil auf diesem Planeten. Doch: Mit welcher Qualität soll dieses Überleben ausgestattet sein.
Will ich den Wandel ertragen und mit schweißbeperlter Stirn mithecheln wenn sich schon wieder was ändert?
Oder will ich gelassen in der Lage sein die Veränderungen für mich und das Leben als solches zu nutzen, mit Spaß und Freude am Neuen?
Welche Position ich einnehme, habe ich selbst in der Hand bzw. im Herzen:
Wandel und Veränderung lösen bei vielen von uns Angst oder / und Beklemmung aus. Möchte ich diese Gefühle verdrängen, werde ich aktiv. Ich gerate ins “Tun“ und somit in Hektik, Aktivismus und schlimmstenfalls in Aktionismus. Da für viele Menschen Angst inakzeptabel, kindisch, unprofessionell ja vielleicht sogar gefährlich ist, ist die vermeintliche Lösung sich einen möglichst vollen Tag zu generieren, denn dann bleibt garantiert keine Zeit mehr zu fühlen. Das Problem steckt hier im Zirkelschluss. Denn die hektischen Tage hinterlassen eine noch stärkere Beklemmung, welche nach noch mehr Tun und Nicht-Fühlen schreien. Ich werde aktiver und aktiver bis meine Sicherung endlich durchbrennt – Burnout (ein vielbemühtes und doch sehr treffendes Wort – Ausgebrannt. Leer. Hohl. Schwarz. Verkokelt.)
Was wäre wenn ich mir an solchen Tagen sowieso oder aber überhaupt , die Zeit nehmen würde innezuhalten und mich zu fragen: Was fühle ich im Moment? Welche Ergebnisse will ich generieren?
Probiere es aus!
Die Zeiten werden noch schneller werden. Selbst wenn Du denkst, dass Du im Moment ein relativ ruhiges, geordnetes Lebens führst, übe schon jetzt für die wilden Zeiten! Und wenn Du schon jetzt denkst: Schneller geht nimmer, dann übe erst recht.
Eine Übung könnte sein, Dir bewusst Zeit nur für Dich zu nehmen. 4 x 5 Minuten am Tag. Einfach nur dasitzen und den Kopf leermachen. Kein Raucher kann mir erzählen, dass er diese Zeit nicht hätte (womit wir auch beim Thema „Zeit hat man nicht, man nimmt sie sich“ wären, aber dazu mehr in einem späteren Blog).
Eine andere Übung könnte sein, Dir bewusst zu machen, was Du gerade jetzt fühlst, im Herzen und im Körper und Dir vorzustellen, wie diese Empfindungen noch intensiver werden und wie Du dann damit umgehen wirst.
Eine andere Übung könnte sein, gehen zu lassen. Bewusst gehen zu lassen, was Dich im Hamsterrad hält. Du liebst, lass es gehen. Du hast Liebeskummer, lass ihn gehen. Du kreierst, lass es gehen. Du gewinnst, lass das gehen. Du verlierst, lass das gehen.
Loslassen kann Dir benötigen Raum geben.
Viel Freude beim Experimentieren!
Stefanie
Dieser Blog ist inspiriert von den Erfahrungen die ich selbst im Moment mache. Von den Erlebnissen, die meine Freunde mir mitteilen und auch von Zeilen von Lee Harrris
(siehe: http://leeharrisenergy.blogspot.com/ zum Nach- und Weiterlesen).
In: Allgemein, Possibility Management
Fukushima, Japan – Betroffenheit?
Wer von uns ist nicht beeindruckt, bewegt oder besorgt über die Ereignisse in Japan? Trotz allen Mutterglücks gehen die Nachrichten an mir nicht spurlos vorüber. Ich mache mir Sorgen über die Menschen vor Ort über die Sicherheit für uns und unsere Kinder. Und gleichzeitig stelle ich mir die Frage:
Was kann ich tun?
Und wie ich mir diese Frage so stelle, kommt mir ein Blog von Seth Godin in den Sinn (siehe:
Seth Godins Blog)
Vor kurzem stellte er folgenden Beitrag auf seiner Seite ein (frei von mir übersetzt aus dem Englischen):
Initiative wird nicht gegeben – Du ergreifst sie
Das Erstaunliche daran ist, dass, im Gegenteil zum Ergreifen eines Apfels oder Schokoriegels, für alle anderen dadurch kein Verlust entsteht. Indem Du sie ergreifst, haben wir alle einen Nutzen davon.
Und es gibt noch etwas, was Du leicht und mit Anerkennung ergreifen kannst: Verantwortung.
Auf eine gewisse Art und Weise gehören die beiden tatsächlich zusammen. Das Eine ohne das Andere funktioniert nicht wirklich.
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Mit diesem Gedanken fällt es mir leicht, die Schwestern Initiative und Verantwortung an meinen Tisch einzuladen und nicht wie gelähmt vor dem Fernseher oder der Tageszeitung zu sitzen und zu jammern.
Maßnahmen, die jeder schnell und einfach ergreifen kann:
- wechsle den Stromanbieter
Es gibt viele Anbieter, die inzwischen Öko-Stom anbieten. Die Münchner Stadtwerke machen es einem sogar ganz ganz einfach: Man kann Kunde bei den Stadtwerken bleiben und nur die Stromart wechseln. Geht einfach und schnell. Oder wer mehr Infos benötigt:
Umweltinstitut München – Ökostromanbieter
- Investiere Deine Geldanlagen in nachhaltige Projekte wie z.B. eine Solaranlage.
Die Münchner Stadtsparkasse gibt gemeinsam mit den Stadtwerken München inzwischen auch für Kleinanleger ab 500,- EUR entsprechende Zertifikate raus. Mal mit Garantieverzinsung mal ohne (je nach Risikofreude des Anlegers). Also: Raus aus den großen Aktienunternehmen, die nur zugunsten von Profit agieren, rein in Anlagen, die die Umwelt schonen und für uns Menschen gut sind.
- Fahr’ weniger Auto
Welchen CO2-Effekt das hat, weiß glaube ich inzwischen nun jedes Kind. Auch hier gilt wieder: Je geringer der Aufwand, um so eher tust Du es. Vorschlag: Abo beim MVV kaufen. Nie mehr die Streifenkarte suchen oder gegenrechnen, ob das mit dem Autofahren nicht doch billiger wäre…
Tipp: Für Individualisten darf es dann auch mal das Taxi zur Heimfahrt sein – vielleicht sinkt dann die Hemmschwelle mit den Öffentlichen anzureisen?
Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, was das mit der Katastrophe in Japan zu tun hat. Nun, für mich besteht folgender Zusammenhang:
Wenn wir weniger Energie verbrauchen, alternative Energiequellen bevorzugen und sogar unser Geld in alternative Energien stecken, dann bestimmen wir als Verbraucher, woher unser Strom kommt. Und damit Japan nicht bald in Deutschland stattfindet (oder in Frankreich, oder in England) können wir heute schon Zeichen setzten. Und wenn 80 Millionen Deutsche auf einmal so handeln würden, dann….
Also: Auch Du zählst und kannst was bewirken!
Fang an, ergreife die Initiative und zeige Dich verantwortlich für Deine Welt. Es gibt nur die eine!
Von Herzen alles Gute
Stefanie Heidtmann
In: Allgemein, Possibility Management · Schlagworte: Atomstrom, Atomwende, Betroffenheit, Energie, Fukushima, Initiative, Japan, Kultur, Nachhaltigkeit, neue Wege, Ökostrom, Sinn, Verantwortung
ICH HABE RECHT – Hab ich doch, oder?
Bestimmt kennst Du das Gefühl:
Wenn mir mein Gegenüber doch nur EIN MAIL, nur EIN MAL zuhören würde, dann wäre alles gar kein Problem. Und dann versuchst Du Deinem Gegenüber mit aller Kraft klarzumachen: „Bitte, bitte, hör mir ein Mal zu und wir haben kein Problem mehr!“
Du versuchst das mit Argumenten, mit Logik oder auch mit Charme. Manchmal vielleicht mit Tricks oder kleinen Fallen. Doch oft genug sind diese Versuche zum Scheitern verurteilt und in Dir bleibt das ungute Gefühl, dass Du so nah dran warst, ihn (sie) zu überzeugen, aber es irgendwie nicht geschafft hast. Es wurmt Dich und Du nimmt Dir vor: Nächstes Mal bin ich härter, schlauer, schneller, gewitzter, unnachgiebiger, intelligenter oder was auch immer es braucht, den Gegenüber zur Problemlösung zu bringen, indem er Dir zuhört.
Mal ehrlich:Wie oft hast Du es auf diese Weise geschafft, ein Problem zu lösen? Wirklich zu lösen? (Ehrlich!)
Und genau da ist das eigentliche Problem:
Indem wir uns darauf fokussieren, den anderen heilsbringend von unserer Meinung zu überzeugen (Du erkennst das daran, dass Deine innere Stimme immer wieder jammert: „Das gibt’s doch nicht, wie doof ist der / die denn, das der / die das nicht kapiert?!“ Oder: „Menschenskinder, ist das so schwer seine Meinung zu ändern?“ Oder etwas Ähnliches.) verpassen wir den Moment, an dem es problemlösend gewesen wäre, dem anderen zuzuhören.
Jetzt tobt die innere Stimme und schreit: „Wieso soll IMMER ICH zuhören?! Soll doch der andere mal MIR zuhören! Aber ICH habe doch recht, wieso soll ich da zuhören?“ Ganz perfide arbeitet Deine Stimme wenn Du zu hören kriegst: „Wenn ich jetzt den anderen nicht überzeuge, dann ist alles zum Scheitern verurteilt! Die einzige Lösung ist, dass DER ANDERE seine Meinung ändert.“
Warum das perfide ist? Ganz einfach: Weil es Dir dann umso schwerer fallen wird, Deinen eigenen Schnabel zu halten und auf Empfang zu stellen (schließlich steht angeblich ALLES auf dem Spiel…).
Doch was würde geschehen, wenn Dein Gegenüber sich auf einmal gehört fühlen würde? Dies ist ganz einfach rauszufinden:
Stell’ Dir genau jetzt, die letzte Situation vor, in der Du ganz sicher recht hattest, aber der andere das nicht gemerkt hat. Hast Du sie vor Augen und Ohren, hörst Du die Stimmen in Deinem Kopf dazu und merkst Du in Deinen Eingeweiden den Ärger, den Du damals empfunden hast? Gut.
Dann stell Dir nun vor, der andere hätte gesagt: „Moment mal, was sagtest Du eben? Würdest Du das bitte wiederholen? Ich habe es nicht genau verstanden und ich möchte Deine Position verstehen.“
WOW – geiles Gefühl, oder?
Und dann, wenn Du hättest sagen können, was Du schon die ganze Zeit loswerden wolltest, dann würde der andere sagen: „Das ist interessant was Du da sagst, so habe ich das noch nie gesehen. Kannst Du da mehr dazu sagen?“
Dein Herz würde jetzt hüpfen vor Freude und Du würdest neue Gedanken entwickeln, Du würdest Vertrauen zu Deinem Gegenüber aufbauen, Dich gehört fühlen. Ihr wärt auf einmal in Beziehung! Und das nur, weil der andere “nachgegeben“ hat und darauf verzichtet hat, recht zu haben, sprich, seinen Standpunkt darzulegen und Dich zu belehren.
Und was glaubst Du, wie hoch wären seine Chancen, dass Du DANACH IHM ZUHÖRST? Dass Du bereit bist, seine Meinung anzuhören und seinen Standpunkt zu verstehen?
Verdammt hoch, oder?
Ich wünsche Dir ganz viel Freude beim Experimentieren. Du kannst sofort damit beginnen, denn erfahrungsgemäß laufen sehr viele unsere Gespräche auf der Basis „Ich habe recht und Du hast unrecht.“ Schreibe mir von Deinen Erlebnissen, wenn Du möchtest.
Und denke daran:
DU KANNST ENTWEDER IM RECHT SEIN ODER IN BEZIEHUNG.
Alles Gute
Stefanie
Und wenn Du jetzt noch nicht genug zum Thema gelesen hast, dann kommt hier noch etwas mehr:
Du kannst Dich selber beobachten und rausfinden, was Dich in der Regel davon abhält, dem anderen Zuzuhören.
Bei mir sind es meist die Stimmen in meinem Kopf. Doch ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich einen Werkzeuggürtel anhabe, an dem nützliche Dinge hängen. Unter anderem hängt da ein Stimmencolt. Der Stimmencolt sieht aus wie eine gewöhnliche Pistole, aber er enthält Spezialmunition für Stimmen in unseren Köpfen. Wenn also mal wieder ein paar lästige Stimmen Dich davon abzuhalten versuchen, ein Gespräch zu einem erfolgreichen Dialog statt zu einer nicht endenwollenden Diskussion werden zu lassen, dann zieh’ den Stimmencolt mit einer eleganten Bewegung aus seinem Holster, richte Ihn auf die Stimme indem Du den Daumen in Richtung Himmel und den Zeigefinger in Richtung der Stimme streckst und die restlichen Finger einklappst und dann bläst Du die Stimme mit einem sehr lauten „BÄNG!“ ins Jeneits. Allein diese Aktion wird Dein Gespräch in andere Bahnen lenken.
Und hier noch eine kleine private Anekdote, was möglich wird, wenn man nicht Recht behalten will:
Frühstückszeit, der Lieferservice hat frisches Brot gebracht. Ich stehe mit der Hausfrau in der Küche, sie legt das vorhandene (alte) Brot für den Frühstückstisch bereit. Ich sage: „Wollen wir nicht das frische Brot aufdecken, denn sonst ist ja das frische schon wieder alt, wenn wir das alte gegessen haben (= Recht haben durch Argumente).“ Die Hausfrau entgegnet etwas mir nicht Verständliches. Meine normale Reaktion wäre gewesen, nachzuhaken, zu insistieren, zu hinterfragen, warum sie es nicht so macht, wie ich vorgeschlagen habe. Kurzer Moment des Innehaltens, dann der Entschluss, jetzt nicht zu diskutieren, also die Chance darauf, Recht zu haben, verstreichen zu lassen.
Kurze Zeit später am Frühstückstisch: Der Herr des Hauses fragt: „Sag mal, ist nicht frisches Brot gekommen? Lasst uns das frische Brot essen, sonst ist das frische Brot das alte, wenn wir jetzt das alte essen.“
Und jetzt kommt der magische Moment:
Du kannst jetzt RECHT HABEN und sagen: „Genau das habe ich auch vorgeschlagen!“ (Die Stimmen triumphieren, blasen einen Tusch auf Deine Genialität und blicken herablassend mit einem „Pfft“ auf die Hausfrau.)
Oder Du kannst jetzt IN BEZIEHUNG SEIN und den Schnabel halten. Dieses Mal war ich schneller als meine Stimmen, ich habe meinen Mund gehalten und zur Hausfrau geblickt. Und das ist geschehen: Wir haben uns angegrinst und verschwörerisch mit den Augen gezwinkert. Das war ein so inniger Moment, des in Beziehung seins, es war so viel mehr wert, als der Triumph des Recht Habens. Genial! Ich kann es zur Nachahmung sehr empfehlen!
Alles Gute!
Stefanie
In: Allgemein, Possibility Management · Schlagworte: Beziehung, Dialog, Diskussion, Gefühle, Handeln, in Beziehung sein, Kultur, neue Wege, Next Culture, nichtlinear, nichtlinear Handeln, Possibility Mangement, Recht haben, Sinn, Streit
Die Umarmung – Zuneigung oder Fessel?
Die Umarmung, der Akt des herzlichen Umschlingens des Gegenübers mit den eigenen Armen, kann insbesondere dann für Verwirrung sorgen, wenn sie nicht ausgeführt wird.
In München, der Hauptstadt von Bussis und Spezels, gehörst Du noch lange nicht dazu, nur weil Dich alle Anwesenden mit mehr oder weniger innigem Drücken und Wangenkontakt begrüßen. Es ist der rituelle Standard in einer Stadt, die sich die nördlichste Italiens nennt. Es gehört zum Life-Style, zum Lebensgefühl und zum guten Ton. Reflexartig neigt sich der Kopf zur Seite, nähert man sich einem auch nur entfernt Bekannten, um nicht mit der gegnerischen Rübe zusammen zu rumsen beim Bussi-Exchange. Fast schon unbewusst, oder sollte ich sagen, kaum noch bewusst, legt man sich in die Arme flüchtiger Bekannter ebenso wie in die alter Freunde. Für Aussenstehende kaum unterscheidbar, ob die sich Begrüßenden erst ein oder schon 1000 Mal gesehen haben. Üblich sind hierzulande zwei Bussis, eines links eines rechts, begleitet vom umgelegten Arm. Es ist nicht von Belang, ob sich zwei Frauen, zwei Männer oder ein gemischtes Paar begrüßen. Das Ritual bleibt. Unabhängig von Uhrzeit, Ort oder Anlass. Das Ritual bleibt.
In dieser Stadt drängt sich ein Grenzbereich-Experiment förmlich auf:
Ich nenne es das „Ich umarme nicht“-Experiment.
Auslöser für das Experiment, welches ich vor 3 Monaten begann, war nicht, dass mir etwa das Verhalten der Leute in meiner Wahlheimatstadt auf den Keks gegangen wäre. Ich wollte kein sozialkritisches Mahnmal aufbauen. Oder doch?
Anlass war ein Gespräch über Männer und Frauen, über den Raum eines Menschen, ich nenne es den „Space“ um einen Menschen herum, über Energien und das Mischen aller drei Komponenten. Während des Gespräches fiel mir auf, dass ich mir weder meines Spaces bewusst bin, noch, wann ich in die Räume anderer eindringe. Geschweige denn, dass ich hätte benennen können, wann andere, insbesondere Männer, in meinen Raum eindrangen. Mir war nicht bewusst, dass der Raum, den ich um mich herum habe (vielleicht würde andere Leute diesen Aura nennen, doch weder weiß ich genau was eine Aura ist noch ich Erfahrung damit und somit kann ich diesen Ausdruck nicht nutzen), angefüllt ist mit Energie. Meiner Energie. Und so ist das meiner Erfahrung nach, die ich inzwischen machen konnte, anscheinend bei jedem Menschen. Jeder hat eine andere Energie. Und doch: Jeder Mensch hat einen mit Energie angefüllten Raum um sich herum.
Ich wollte mehr darüber rausfinden, wie andere Menschen, insbesondere Männer, mit meinem Space umgingen und wie ich mit dem der anderen umgehe. Stimmte die Behauptung eines Anwesenden, dass wir Menschen, sehr häufig unbewusst, in einer deutlichen Vermischung oder auch Einmischung der Räume des oder der anderen Menschen unterwegs sind? Stimmte die Ansicht, dass gerade Männer sehr häufig auf subtilste, größtenteils nicht bewusste Weise, regelrecht einfallen in die Spaces der Frauen? Ich konnte bis dato nämlich nichts dergleichen Wahrnehmen. Hielt mich für eine emanzipierte, selbstsichere und einigermaßen clevere Frau.
Ein Weg, der wohl eher nicht funktioniert hätte, wenn ich darüber schlaue Bücher gelesen hätte. Also entschied ich mich dafür, rauszufinden, was ist mein Space. Wo ist mein Space? Und: Was mache ich und was machen andere mit meinem Space so den lieben langen Tag. Letztlich lässt sich dies mit „Bewusstmachung“ in ein Wort machen. Nun fehlte mir nur noch ein Weg, wie ich die „Bewusstmachung“ angehen konnte. Auf den Hinweis eines Freundes hin, entschied ich mich, für das simpel klingende Experiment: Ich werde für eine gewisse Zeit lang, keinen Mann, außer meinem Mann und meinen Sohn, umarmen.
Sehr simpel, oder? Na dann: Go!
Nach unserem Gespräch, wir standen bereits in den Jacken im Flur, wurde eine Teilnehmerin von ihrem Partner, einem Freund von mir, abgeholt. Ich freute mich sehr ihn zu sehen, da einige Zeit vergangen war, in der wir uns nicht gesehen hatten. Und ehe ich es mich versah, „lag“ ich in seinen Armen, Bussi links, Bussi rechts. Ich strahlte, freute mich immer noch ihn zu sehen. Nach einer kurzen Verabschiedung von allen saß ich mit anderen Freunden im Auto, als es mich wie ein kurzer Blitz durchzuckte: „Hast Du Jürgen gerade echt umarmt?“ dachte ich mir. Unglaublich aber wahr: Keine 10 Minuten, nachdem ich mein Experiment aufgesetzt hatte, hatte ich ein erstes Ergebnis. Ich hatte mich vollkommen unbewusst in die Arme eines Freundes geworfen.
Dieses Ergebnis ist nicht gut oder schlecht. Genauso wenig wie Messwerte in der Physik gut oder schlecht sind. Je mehr Messwerte ich habe, umso genauer wird das Experiment.
Also auf zu neuen Testereignissen.
Die Momente, in denen ich auf gute Freunde stieß, die noch nichts von meinem Experiment wussten, waren mit die spannendsten, und anfangs auch die, mit der höchsten Unbewusstheit. Am meisten war ich umnebelt, wenn mich die Freude es Wiedersehens lieber Menschen in ihren Bann schlug und ich schneller meine oberen Extremitäten um die Schulter meines Gegenübers geschlungen hatte, als gedacht. Und: ich brachte es anfangs manchmal einfach nicht übers Herz, sie nicht zu umarmen. Zum Teil hatte ich Gedanken wie: „ Das kapiert der eh nicht.“ oder „Ich habe keine Lust auf die Diskussion, die gleich losgeht, wenn ich jetzt nicht mitmache“. Manchmal fügte ich mich der vermeintlichen Erwartung mit einer gewissen Resignation. Andererseits hatte ich auch von Zeit zu Zeit das Gefühl, dass ich die Person einfach umarmen musste, weil ich annahm, wenn ich es nicht täte, dann würde er sich zurückgewiesen fühlen oder er dächte dann, dass ich ihn nicht mehr schätzen würde.
Doch ich wurde konsequenter. Innerhalb von etwa 4 Wochen war ich etwa so weit, dass viele meiner männlichen Freunde wenigstens schon ein Mal mit der Situation konfrontiert waren, dass ich sie nicht umarme, insbesondere zur Begrüßung.
Die Reaktionen waren sehr verschieden. Sie reichten von „Aha, interessant. Na ja, Du machst ja schon immer etwas schräges Zeug.“ Bis hin zu: „Bist Du schon auf die Idee gekommen, dass mich das verletzt?“.
Wichtig für mich war, dass ich anfing, mir bewusster zu werden, was abläuft zwischen Männern und Frauen und deren Spaces. Ich habe überraschende Einsichten gewonnen und fing an, auf einer sehr feinen Ebene zu begreifen, dass ich mich, durch das Nicht-Bewusstsein über meinen Raum, verfügbar machte auf einer ebenso feinen Ebene. Verfügbar in genau diesem Wortsinne. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: Ich habe herausgefunden, dass die Umarmung, selbst wenn sie von mir ausgeht, von den manchen Männern – größtenteils wohl unbewusst – dazu benutzt wird, meinen Raum auf sexueller Basis zu nutzen. Und ich habe herausgefunden, dass es Männer gibt, die genau das, und nur das, bezwecken. (Sicherlich gibt es auch diese Frauen. Doch dies ist ein anderes Experiment.)
Und auch hier möchte ich wieder erwähnen: Es ist nicht an mir zu beurteilen, warum manche (viele?) Männer dieses tun und ob es gut oder schlecht ist. Ich gehe allerdings so weit, dass ich eine gewagte Idee in den Raum stelle: Könnten dies nicht Auswirkungen des Patriarchats sein? Könnten dies nicht Manifestationen der Rollenverteilung der Geschlechter in unserer Kultur sein?
Diese Idee möchte ich an dieser Stelle gerne in späteren Blogs vertiefen. Wer jetzt schon Ideen, Anregungen oder Erfahrungen teilen möchte, der kann gerne einen Kommentar auf der Seite hinterlassen.
Alles Gute, fühlt Euch herzlich bei der Hand genommen.
Stefanie
In: Possibility Management · Schlagworte: Beziehung, Frau, Geste, Kultur, Mann, nächste, Nächste Kultur, Next Culture, Patriarchat, Tradition, Umarmung, Unterdrückung
WIE SAG ICH´S MEINEM KIND?
Häufig erlebe ich in meiner Osteopathie-Praxis bei meiner Arbeit mit Säuglingen, dass deren Eltern frustriert, müde, ausgelaugt, wütend oder ängstlich sind. Und im gleichen Moment erlebe ich, dass die Eltern versuchen, diese Gefühle und Zustände vor den Kindern zu verbergen. Die Eltern haben Angst, das Kind mit diesen Gefühlen zu überfordern. Manche Gefühle wie z.B. die Wut gelten auch als schlecht. Wut steht einer Mutter gegenüber dem eigenen Kind, zumindest im ersten Lebensjahr, nicht zu – so die Meinung in unserer Gesellschaft.
Beispielsweise berichtete mir eine Mutter, dass sie, nach Stunden des scheinbar grundlosen Schreiens ihres zwei Monate alten Sohnes diesen hochfrustriert und verzweifelt in sein Bettchen legte mit den Worten: „Ich kann grad nicht mehr. Ich bin total verwirrt und auch entnervt von Deinem Geschrei. Ich gehe jetzt für 3 Minuten aus dem Raum und hole mir ein Glas Wasser.“. Meiner Meinung nach eine tolle Idee, denn das Kind bekommt die Situation und die Gefühle der Mutter erklärt und die Mutter kann zumindest kurz Luft holen und Abstand zur festgefahrenen Situation. Allerdings war die anwesende Schwiegermutter nicht dieser Meinung und bezeichnet seit dieser Zeit ihre Schwiegertochter als “Rabenmutter“.
Ich denke, dass der Versuch, Gefühle vor unseren Kindern zu verbergen, von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich denke, dass der Versuch, meine Gefühle mein Kind nicht mitkriegen zu lassen, zu weit reichenden, problematischen Konsequenzen führt.
Was mich zu dieser Annahme bewegt, möchte ich hier beschreiben. Beispielsweise nimmt ein 3-Wochen-altes Kind, sagen wir mal, es hieße Carlotta, seine Umwelt ungefähr so wahr:
Carlotta begriff nicht so ganz: Vor ihr schweben ab und an zwei gesichtstragende Luftballone, die ihr wohl vertraut, aber auch etwas unwirklich vorkommen. Neben ihr liegen zwei lange, schlaksige Teile, an deren Enden Zotteln hängen. Ab und zu durchqueren diese Dinger ihr Gesichtsfeld. Auch hier wieder diese seltsame Surrealität, gemischt mit dem Eindruck der Vertrautheit. Und an ihrem unteren Ende nimmt sie irgendwelche zuckenden, strampelnden Dinge wahr, deren Sinn ihr nicht klar ist. Wie im Nebel und doch ganz unverkennbar, besteht ihr Sein lediglich aus der Wahrnehmung von wohlig oder unwohl.
…
Bei den Luftballonen, die Carlotta beschreibt, handelt es ich um die Gesichter ihrer Eltern und bei den anderen Phänomenen um ihren eigenen Körper.
Wenn ein Kind auf die Welt kommt, hat es tatsächlich keinerlei Bewusstsein, dass seine Arme und Beine zu ihm gehören. Es begreift nicht, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Nahrungsaufnahme und dem anschließenden Gefühl im Bauch, egal ob es sich um das Ziehen einer Kolik oder das gute Gefühl von satt handelt.
Experiment I:
Eine Patientin hat mir heute eine fantastische Möglichkeit aufgezeigt, wie sie ihren Kindern deren körperliche Begrenzung bewusster macht: Sie legt sich das Baby auf ihren Bauch, die kleinen Strampelbeine sind unter dem Bauch des Kindes angewinkelt und stützen sich gegen die aufgestellten Beine der Mutter. Oben schlingt sie die Arme um ihr Kind und streichelt es. Und dann erzählt sie ihm in sanfter Stimme, welche Körperregion gerade berührt wird. Sie sagt zum Beispiel: „Das ist Dein Köpfchen.“, oder „Hier, das sind Deine kleinen Füße, hier hört Dein Körper auf.“ Ich finde diese Art der Intimität wunderschön und ich glaube, dass es für beide eine tolle Erfahrung ist. Auch die Mutter, oder der Vater, machen sich so bewusst, welch Wunderwerk dort auf ihrem Bauch liegt und woraus dieser Körper besteht.
Experiment I Ende.
Doch so wenig Vorstellung ein Baby von den Dimensionen seines physischen Körpers hat, so viel Empfindsamkeit dürfte es für die Stimmung, welche um es herum herrscht, haben. Wie Radarschüsseln nehmen diese kleinen Menschen die Gefühle, Emotionen und Zustände um sie herum wahr. Seit Beginn dieses diffusen Bewusstseins, jemand “zu sein“, erleben Ungeborene jede Regung ihrer Mutter 1:1 mit. Ihre Angst, wenn ein Untersuchungsergebnis besorgniserregend ist, ihre Freude, wenn sie einen schönen Moment mit ihrem Partner hat oder ihre Wut, wenn eben dieser mal wieder zu spät nach Hause kommt. Direkter kann man die Gefühle eines anderen Menschen wohl nie mehr erleben. Und noch hat dieses Baby keine Idee davon, dass das eine Wut und das andere Freude heißt. Sondern es erlebt all das als die normalen Gezeiten des Seins der Mutter. Hochs und Tiefs, mal intensiver mal weniger intensiv.
Ich denke, spätestens mit der Geburt hat das kleine Wesen dann auch eigene Gefühle. Und auch diese sind einfach da. Nicht kommentiert von außen, einfach nur da.
Wenn nun die Eltern dieses neugeborenen Wesens plötzlich damit beginnen, ihre Gefühle nicht mehr vor dem Kind auszudrücken, fehlt ein Bestandteil, der bis zur Geburt den Alltag des Kindes prägte. Ist die Mutter übermüdet und sehr frustriert, weil das Kind nun schon drei Stunden schreit und auch zum dritten Mal den Strampler bis zur Halskrause voll hat, sie noch nichts gegessen hat, geschweige denn die Möglichkeit hatte zu duschen, dann fühlt sie sich einfach nicht gut. Sie ist vielleicht wütend auf den schreienden Wurm vor ihr oder sie fühlt Angst, dass sie das alles nicht schaffen wird. Doch statt diese Gefühle zu haben und sie zu benennen, wird sie das Kind schaukeln und summen und es ablenken und Spiele spielen. Sie wird die Windel nochmals wechseln und das Bäuchlein massieren. Sie hüpft vielleicht auf einem Pezziball auf und ab oder wippt den Stubenwagen hin und her. Und während sie das alles tut, wird sie ihrem Kind vorspielen, dass sie prima Laune hat oder wirklich Mitleid mit dem Schreihals.
Das Kind erhält in dem Moment mindestens zwei Informationen. Erstens die “wahre“ Information, über sein feines Gespür und die Antennen für das, was ist. Und die “gespielte“ Information der Mutter, bezüglich dessen, was angeblich sein soll.
Das Kind ist verwirrt. Was stimmt denn nun? Das was Mama verzweifelt versucht auszudrücken und zu schauspielern oder das, was Mama ausstrahlt mit jeder Pore? Wenn das Kind älter ist wird diese Verwirrung gefestigt, indem die Eltern dem Kind in dem Moment, wo es beginnt die eigenen Gefühle zu artikulieren, zusätzlich noch vermitteln, dass es besser wäre, das nicht zu tun.
Sätze wie: „Du brauchst doch nicht weinen, so schlimm ist es doch nicht.“ (Missachtung der Trauer, die das Kind empfindet), oder: „Wenn Du nicht gleich brav bist, gehen wir nicht auf den Spielplatz / gibt es kein Eis / gehen wir nach Hause!“ (Missachtung der Wut, die das Kind hat), kennen wir wohl alle.
Sie führen dazu, dass ein Kind lernt, dass es in unserer Gesellschaft besser ist, Gefühle nicht zu zeigen. Das “Problem“ ist nur: Es hat Gefühle.
Beziehungsweise, um es aus meiner Sicht ganz klar auszudrücken:
Das Problem ist nicht, dass ein Kind ein Gefühl hat, sondern das Problem ist, dass das Kind es nicht haben soll.
Experiment II:
Wenn Ihr Kind eine Gefühlsäußerung tätigt, versuchen Sie selber zu spüren, welches Gefühl Ihr Kind gerade hat. Ist es wütend oder traurig? Oder fühlt es Angst und ist gleichzeitig sauer. Es hilft ungemein sich bei dieser Übung sich einfach auf seinen Bauch zu verlassen. Versuchen Sie nicht rational nachzuvollziehen, dass das Zerbrechen des Spielzeuges bei Ihrem Kind nicht unbedingt Traurigkeit auslöst sondern blanke Wut. Spüren Sie einfach, was es fühlt. Und dann sagen Sie Ihrem Kind: „Das was Du gerade fühlst ist Wut (Angst, Trauer, Freude). Und es ist o.k. das zu fühlen.“ Und dann seien Sie einfach bei Ihrem Kind. Warten Sie ab, was passiert. Vielleicht kommt das Kind und will getröstet werden. Vielleicht will es aber auch der Wut mit Schreien Ausdruck geben. Seien Sie da für das Kind und werten Sie nicht. Lassen Sie sich beiden die Zeit die es braucht. Was Sie tun, ist, Sie geben Ihrem Kind genau die gleiche intime Aufmerksamkeit wie im Experiment I. Nur dass Sie nicht Bezug auf den physischen Körper nehmen, sondern auf den Körper der Gefühle.
Experiment II Ende
Mit diesem Experiment betreten Sie Neuland! Lassen Sie sich nicht davon verunsichern, dass es sich komisch anfühlen mag. Forscher im 14. Jahrhundert fühlten sich bestimmt nicht pudelwohl wenn Sie über unbekannte Berge kletterten oder in fremden Gewässern segelten. Im Gegenteil: Wenn es sich komisch anfühlt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie in diesem Moment eine fast unverschämt weite Horizonterweiterung durchführen.
Experiment III:
Experiment I und II beschäftigen sich mit Ihrem Kind. Nummer drei beschäftigt sich mit Ihnen. Wie in Experiment II spüren Sie die Gefühle die im Raum sind. Nur dass Sie dieses Mal nicht die Gefühle Ihres Kindes wahrnehmen, sondern Ihre eigenen. Nehmen Sie Ihre Hilflosigkeit war, Ihr Gefühl des „wie soll ich das alles schaffen?“, oder auch Ihre Wut. Werten Sie nicht, was sie fühlen sondern sagen sie es einfach. Sagen Sie: „Ich fühle mich total entnervt weil…“ Oder: „Ich fühle mich so hilflos, weil…“. Und sagen sie das nicht nur Ihrem Partner sondern auch und genau Ihrem Kind. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind die Situation lösen wird. Darum geht es nicht. Es geht darum authentisch zu kommunizieren, was los ist. Vergleichbar wäre, wenn Sie sagen würden: „Mein Fuß tut weh, weil ich barfuß auf einen Legostein getreten bin.“ Niemand käme auf die Idee zu sagen: „Ich hüpfe herum, weil ich so fröhlich bin und so gerne Dein Lachen höre.“.
Experiment III Ende
Hier ist auch der Bezug zu der oben geschilderten Situation mit der “Rabenmutter“. Aus meiner Sicht, hat sie Experiment III ausgeführt. Was ich für sehr wertvoll halte. Sie war die Forscherin die Neuland betrat. Und die Schwiegermutter verkörpert in diesem Moment eher die Konservativen, die vom Forschertum erschreckt sind und “lieber alles so lassen würden, wie es immer war.“
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Alles Gute!
Stefanie Heidtmann
In: Allgemein · Schlagworte: Eltern, Emotionen, Gefühle, Kultur, Möglichkeiten, Sinn

